Dein Inneres Team hilft Dir, Entscheidungen zu treffen

Am Sonntag war ich mal wieder mit meinem „Inneren Team“ spazieren und fühlte mich danach – wie immer eigentlich – besser als vorher. Meine kleine interne Rasselbande – ergo mein Inneres Team – habe ich immer dabei. Sie gibt ständig Widerworte, wenn ich denke, richtig zu handeln. Dagegen kann ich mich nicht wehren und tue dies auch nicht mehr. Warum ich mich nach dem Spaziergang besser fühle? Weil ich der Rasselbande Gehör geschenkt habe, den kleinen vorlauten inneren Stimmen, und sie nun zufrieden sind.

Ich bin mal wieder ganz überrascht, wie ein Gang durch die Natur der Entscheidungsfindung auf die Sprünge helfen kann. Diese Erfahrung mache ich zwar ständig, aber sie haut mich immer wieder um – im positiven Sinne. Schon immer kann ich mich besonders gut sortieren, wenn ich in Bewegung bin. Ich treibe leidenschaftlich gern Sport, was mir daher sehr entgegenkommt. In Bewegung kann ich komplett abtauchen in das Wirrwarr meiner Gedankenwelt. Ich empfinde das als große Gabe, denn eigentlich kommt der Geist beim Sport selten zur Ruhe. Sport und Bewegung sind jedoch meine persönlichen Rückzugsorte, in denen ich Ideen, Pläne, Gedanken und eben Entscheidungen hin- und herwälze, während mein Körper wie automatisiert brav in Bewegung bleibt. In diesen Momenten erlebe ich eine krasse Trennung zwischen Gehirn und Körper, was mich immer wieder aufs Neue fasziniert.

Dein inneres Netzwerk

Es klingt paradox: Um Neues zu lernen, um neue Verbindungen zwischen den Neuronen im Gehirn zu etablieren und zu verfestigen, benötigt unser energie-hungrigstes Organ viel Ruhe und Entspannung. Offensichtlich ist es jedoch für Sortier- und Aufräumarbeiten lieber in Bewegung – zumindest funktioniert mein neuronales Netzwerk so.

Wusstest Du, dass Körper und Geist hervorragende Netzwerker sind? Neben den neuronalen Netzwerken im Hirn, hausen, toben und sprechen „mehrere Seelen“ in unserer Brust. Der Spruch ist Dir sicher bekannt – er ist aber sehr sinngeladen und nicht nur dahingesagt.

Schon in Goethes Faust heißt es:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.

Otto von Bismarck bemerkte dieses Phänomen auch in sich und ging sogar noch ein Stück weiter:

Faust klagt über die zwei Seelen in seiner Brust; ich beherberge aber eine ganze Menge, die sich zanken. Es geht da zu wie in einer Republik.

Denk selbst einmal darüber nach, horch in Dich hinein. Hörst Du sie toben, die Rasselbande? Wieviele entscheidungs-unfreudige Stimmen sprechen zu Dir? Drei, vier oder gar mehr? Meinen Goethe und Bismarck, dass wir mehr sind, als nur wir selbst? Dass wir immer und immer wieder mit uns kämpfen?

Über das Innere Team habe ich schon einige Male geschrieben. Es ist wahnsinnig faszinierend und Du kannst Dir mit diesem Modell vielerlei Dinge in Deinem Leben erklären.

Willst Du ein guter Kommunikator sein, horch in Dich hinein!

Die Vorstellung, dass in uns mehrere Stimmen gegeneinander anschreien, ist also nicht neu und durchaus nachvollziehbar. Immer wieder wurde sie von Psychologen, Therapeuten und Wissenschaftlern aufgegriffen, um psychische Phänomene oder menschliches Verhalten zu erklären.

kommsberatung-e1509894514604 Dein Inneres Team hilft Dir, Entscheidungen zu treffen

Rede mit Dir!

Der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat sich mit diesem Thema sehr intensiv befasst und sagt: „Willst Du ein guter Kommunikator sein, dann schau in Dich selbst hinein.“ Wenn Du also in Dich hineinhorchst, wirst Du vielleicht ein ganzes Konzert von Stimmen hören und womöglich die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Aber versuche diesen Zustand einmal auszuhalten, nur für einen Moment. Denn die Stimmen oder wie immer Du sie auch nennen magst, sind Deine Begleiter, Deine Korrektive und Dein Kompass. Du wirst sie eh nicht los und es wäre klug, sie Dir zu eigen zu machen.

So machst Du Dir innere Freunde

Ich gebe Dir ein ganz einfaches Beispiel, bei dem Deine Stimmen garantiert auch schonmal zu Wort gekommen sind:

Du unterhältst Dich mit einer Kollegin, die Du noch nie so recht leiden konntest. Sie berichtet, wie toll sie doch wieder beim Chef gepunktet hat, weil sie die Vorstandsunterlagen zwei Tage vor der deadline abgegeben hat. Du merkst, wie es in Dir hochkocht und Deine lebhaften inneren Gefährten gegeneinander wettern:

Stimme 1: „Pah, warum gibt die vor der deadline die Unterlagen ab? Hat die nichts zu tun?“

Stimme 2: „Hmm, schon bewundernswert, wie sie das alles schafft. Ich kriege das nie so schnell hin.“

Stimme 3: „Geht´s noch? Die ist doch nur scharf auf den Boss.“

Stimme 4: „Ich bin total neidisch auf sie.“

Und am Ende sagt Dir eine andere vernünftige innere Stimme, dass Du Dich bitte ganz gesittet und ruhig mit ihr unterhalten, sie loben und nicht angreifen sollst. Das tust Du dann auch. Denn was der Teamchef sagt, wird gemacht.

Wie gehst Du mit Deinen Stimmen um?

Gegen diese Stimmen kannst Du nichts tun. Gegen sie solltest Du auch nichts tun.

Respektiere sie - sie gehören zu Dir und sie helfen Dir, Dich in Deinem Leben zurechtzufinden.

Sie justieren Deine Wahrnehmung auf die Welt, sie weisen Dir oft den richtigen Weg.

Sie helfen Dir, schwierige Entscheidungen abzuwägen und letztlich zu entscheiden.

Mach sie zu DEINEM Inneren Team, gebe ihnen Namen und baue eine positive Beziehung zu ihnen auf.

All die verschiedenen Meinungen und Wortmeldungen dienen dazu, dass Du für Dich und der Situation angemessene Handlungsoptionen findest und Dich entsprechend entscheiden kannst.

Mein inneres Team, meine lieben (manchmal verhassten) inneren Freunde, sind einer lauter, als der andere. Sie spiegeln meinen Tatendrang wider und meine Energie.

Ich gebe ihnen Raum, jede Stimme hat einen Namen und ich habe gelernt, mich auf sie zu verlassen. Oft stellen sie mich jedoch vor schwierigen Herausforderungen: Dann gilt es, eine Balance zwischen ihnen herzustellen. Denn wenn sie in Einklang mit sich und mit mir sind, fühle ich mich wohl und sicher in dem, was ich tue.

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Innere Balance

Diese Balance stelle ich vor allem her, wenn ich in Bewegung bin. Und hier schließt sich der Kreis. Wenn Du zwischen den Zeilen liest, brauche ich viel Bewegung…. Sie ist eben doch sehr lebhaft, meine liebevolle innere Rasselbande. Jeder findet jedoch seinen eigenen Umgang mit ihnen. Du bist vielleicht eher der Mensch, der dem Team sehr viel Ruhe schenken muss, sei es beim Liegen auf der Couch, beim Autofahren oder beim Tagträumen. Finde es heraus!

Wenn Du mehr über das Innere Team erfahren möchtest, gibt es zahlreiche Literatur dazu. Lies doch einfach mal bei Friedemann Schulz von Thun rein – es lohnt sich und ist aus meiner Sicht irre spannend.

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