Frauen in der Wissenschaft, Bild: Gesine Born I born fotographie

Der Chemienobelpreis ging an eine Frau. Ist es richtig, so zu jubeln?

Na sowas!?

“And the Nobel Prize 2018 goes to…..”
 
Jedes Jahr dieses Kribbeln, kurz vor Bekanntgabe des Nobelpreises. Ich habe acht Jahre lang in der Wissenschaft als Unternehmenskommunikatorin und Pressesprecherin gearbeitet und weiß nur zu gut, wie aufregend die Minuten vor der Enthüllung sind. In erster Linie natürlich für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst. Aber auch für diejenigen, die die hochkarätigen Auszeichnungen in die Welt tragen, wie Journalisten, Unternehmen, Forschungsorganisationen, Politik – jede und jeder hat seine eigenen Gründe, so zu jubeln. 
 

Hurrah, es ist ein Mädchen! 

Was hat die Welt gejubelt diese Woche! Endlich sind “wir mal wieder an der Reihe”. Ich habe lange überlegt, ob ich das wirklich so formuliere. Denn ich bin noch immer hin und her gerissen wegen des großen Feierns, dass endlich mal wieder eine Frau den Nobelpreis ihr Eigen nennen darf. Ja, es gibt tatsächlich auch Frauen in der Wissenschaft, die richtig was auf dem Kasten haben: Welch Überraschung…
 
Ich mag eigentlich gar nicht einstimmen in diesen Jubel.

Es sollte doch mittlerweile selbstverständlich sein, dass auch Frauen Nobelpreise gewinnen. Die Jubelnden sollten auch mal einen Blick hinter die Kulissen wagen.
Den Jubelnden und Berichtenden würde auffallen, dass es sehr sehr viele weibliche Wissenschaftler gibt. Geniale Frauen, die Geniales erforschen, die uneitel sind, die einen Arsch voll Arbeit haben, die ihr Leben für die Wissenschaft opfern, denen die Öffentlichkeit eher lästig ist, weil sie forschen wollen für den Fortschritt der Menschheit, für mehr Aufklärung.

Liegt hierin das Problem, dass die Frauen in der Wissenschaft (wie in fast jeder Branche) eher scheu sind und ihre Leistungen und Erfolge unters Licht stellen? Sind sie einfach nicht laut genug?
 
Den Jubelnden und Berichtenden würde weiterhin auffallen, dass viele Wissenschaftlerinnen mit Wissenschaftskollegen verheiratet sind. Denn meist geht es nicht anders, als mit dem eigenen “Stand” liiert zu sein. Das Leben eines Wissenschaftlers ist so anders, als das, was wir “Normalos” kennen. Es spielt sich in Laboren ab, es gibt keine wirklich festen Arbeitszeiten, das Herz und die Leidenschaft und der Druck der Publizierungs-Maschinerie bestimmen das Wissenschaftsleben. All das muss Frau und Mann wirklich wollen. Somit können sich nur Gleichgesinnte zusammentun, oder sie bleiben eben alleine. 

Gleichgesinnte

Ich kenne viele Frauen und Männer in der Forschung, die einzig und allein mit ihrer Wissenschaft verheiratet sind – willentlich, aber auch unwillentlich. Das gegenseitige Verständnis für die kräftezehrende Arbeit ist essenziell für eine Partnerschaft. Dies wiederum macht es aber auch nicht einfacher, Kinder in die Welt zu setzen und sie gemeinsam großzuziehen. Neben diesen gibt es noch sehr viel mehr Parameter, die den sichtbaren Erfolg von Wissenschaftlerinnen erschweren. Ich möchte an dieser Stelle auch absolut nicht pauschal sein. Dies sind tatsächlich nur zwei Gründe, die mir immer wieder in meiner Arbeit als Wissenschaftskommunikatorin untergekommen sind.

Soll ich nun jubeln oder nicht?

Das große Jubeln ist ein bisschen wie mit der Frauenquote. Lange war ich dagegen, musste jedoch erkennen, dass sie wichtig ist. Sie ermöglicht uns Frauen, eine Chance zu ergreifen und sichtbarer zu werden – auch für andere Frauen.

Vorbilder-e1512655105394 Der Chemienobelpreis ging an eine Frau. Ist es richtig, so zu jubeln?

Frauen in der Wissenschaft als Vorbilder Bild: Janine Tychsen

Ich beschäftige mich sehr mit dem Thema und stelle immer wieder fest, dass es ein irre großes Dilemma unserer (vor allem deutschen) Gesellschaft ist. Auch wenn ich mir jetzt keine Freundinnen mache:

Wir sind ein Stück weit auch selber schuld.

Weil wir eben nicht laut genug sind!

Weil wir perfekt sein wollen und uns nicht trauen, unsere Leistungen anzuerkennen und sie anzubieten.

Weil wir oft Angst haben, unseren Mund aufzumachen und uns ungern auf die Bühne setzen.

Ich kenne viele Unternehmen und Männer, die immer wieder darüber klagen, dass sie keine Frauen finden, die etwas zu sagen haben. Auf Podiumsdiskussionen – gerade in der Wissenschaft und in der Wirtschaft – sitzt wenn es gut läuft eine Quotenfrau auf der Bühne…

Also, es gibt noch viel zu tun.

Ich freue mich natürlich sehr über den Chemienobelpreis an die Biochemikerin Frances Arnold und ihre beiden Kollegen dem Biologen George Smith und dem Molekularbiologen Sir Gregory Winter.

Also jubel ich natürlich mit!

Auf den Fortschritt der Gesellschaft, der Medizin und das Leben. 

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