Frauencoach

Mein Leben als Coach # 4 – Warum coache ich nur Frauen?

Lesezeit 4 Minuten: In dieser Folge geht es um etwas Persönliches. Um die Frage, warum ich „nur“ Frauen coache und die andere Hälfte der Menschheit außen vor lasse.

Mein Leben als Coach ist meine Blogserie, in der ich Dir monatlich die vielen Facetten des Coachings näherbringe. Ich möchte Dich teilhaben lassen an meiner Arbeit als Führungspersönlichkeits-Entwicklerin und Kommunikationscoach und entführe Dich in eine enorm spannende Welt.

Der Beruf des Coaches ist nicht geschützt und bedarf der Erklärung. Das mögen manche Coachingkollegen vielleicht anders sehen – für mich ist es eine Pflicht, den Vorhang zu heben und Dich hinter die Kulissen meiner Arbeit als Coach schauen zu lassen. Schließlich gibt es den Luxus eines Führungspersönlichkeits-Coachings nicht umsonst und meine “Führungsfrauen” sollen sich mit ihrer Entscheidung, mich als ihre Wegbegleiterin zu engagieren, rundum wohl und richtig fühlen. Die Katze im Sack kauft niemand gern.

Ignoriere ich als Frauencoach eine Hälfte der Menschheit?

Oft fragen mich Leute, warum ich denn in meiner Arbeit die eine Hälfte der Menschheit ignoriere und „nur“ Frauen coache. Die Unterhaltungen gehen etwa so:

Und, was machst Du so?

  • Ich begleite und unterstütze Frauen in Führungspositionen und erarbeite mit ihnen ihre ganz individuelle Führungspersönlichkeit, so dass sie die Chefin sein können, die sie schon immer sein wollten – ohne sich zu verbiegen.

Aha. Und warum? Haben die nicht schon eine Führungspersönlichkeit? Sonst wären sie ja wohl nicht da oben, oder?

  • Naja, nicht wirklich. Je höher Menschen die Karriereleiter erklimmen, desto angepasster werden sie meistens. Sie beugen sich all den Erwartungen und lassen sich in eine Box aus Konventionen quetschen. Und weißte, was dann passiert?

Nee, erzähl mal.

  • Sie verlieren sich selbst auf ihrem Karriereweg, ohne es zu merken. Obwohl sie sich ihr berufliches Fortkommen so wunderbar schön erträumt hatten. Eh sie sich versehen geraten sie in ein Fahrwasser, in dem sie gar nicht baden wollten. Sie werden fast unbemerkt unglücklich, gestresst, struggeln mit der Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben und verlernen sehr sehr schnell, wie es eigentlich ist, glücklich und erfüllt zu sein – privat und beruflich. Sie sehen nur noch halbleere Gläser, anstatt halbvolle. Sie nehmen nur noch schwarz oder weiß wahr, anstatt das gesamte Farbspektrum dieser wundervollen Welt zu sehen. Sie kommen nur noch nach Hause, um kurz zu schlafen, ernähren sich schlecht und verlieren all ihre Energie auf der Führungsetage, die sich nach und nach in einen Käfig verwandelt.

Ja, da magst Du recht haben. Aber warum konzentrierst Du Dich nur auf Frauen? Das ist doch total ignorant von Dir – schließlich besteht (fast) die Hälfte der Menschheit aus Männern.

  • Sooo einfach ist es nicht. Mir geht es um eine gute und ausgeglichene Mischung in Führungsetagen. Um Diversität und Parität. Es geht nicht darum, Männer zu bashen oder auszuschließen. Im Gegenteil: Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir sehr viel mehr erreichen. Und glaub mir: Viele Männer ziehen mit uns an einem Strang.

Meine Erfahrung als Führungsfrau hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin

Über 20 Jahre habe ich als Angestellte in großen Unternehmen in Wirtschaft und Wissenschaft gearbeitet. Diese Zeit war so unglaublich wertvoll – (fast) keinen Tag davon möchte ich missen. Dort habe ich mich enorm entwickelt, wurde gefordert und gefördert, war Führungsfrau, Projektleiterin, Teammitglied – habe viele Positionen inne gehabt, von denen mir viele richtig gut lagen, andere wiederum gar nicht. Ich stieß an sehr persönliche Grenzen und stellte mir oft die Frage: Wie geh ich mit der Situation xy nun um???

In jeder Position bekam ich positives wie negatives Feedback. Immer aber hatte ich weibliche und männliche Unterstützer – weil ich sie mir gesucht habe. Ich habe nicht darauf gewartet, dass jemand an die Tür klopft und fragt, ob ich Unterstützung brauche.

gläserne-Decke-e1527576479733 Mein Leben als Coach # 4 - Warum coache ich nur Frauen?

Es wird dünn, da oben; Foto: Janine Tychsen

Ich habe so viel gesehen und erlebt – bin die Leiter hoch hinaus geklettert. Bin gewachsen an all den Hindernissen, die vor allem uns Frauen vorbehalten sind. Um nur einige zu nennen: Gehaltsunterschiede, Hierarchie-Kämpfe, starke innere Konflikte mit mir selbst, große Herausforderungen in der Kommunikation zwischen Team und oberster Führung, Selbstzweifel usw.

Dann kam Tag X und ich verlor aufgrund von Umstrukturierungen meinen Führungsposten. Du kannst Dir vorstellen, dass ich am Boden zerstört war. So hoch ich geklettert war, so tief fiel ich auch. Damit musste ich erst einmal lernen umzugehen.

Nach einer kurzen Schockphase, überlegte ich, wie ich künftig arbeiten möchte und traf eine sehr starke Entscheidung: Keine großen Organisationen mehr, keine 99-prozentige Fremdbestimmung mehr. Ich wollte etwas bewegen und meine Kraft, meine Energie und all meine Kompetenzen ohne Reibungsverluste einbringen in diese Welt.

Mit all dem, was in mir steckt, was ich bereits mitbringe, wollte ich ab sofort Frauen unterstützen, die Gleiches oder Ähnliches erlebt haben oder die oft zweifeln an dem, was sie „da oben“ tun.

Ich glaube daran, dass jede einzelne Führungsfrau ganz einzigartig, individuell, sympathisch und empathisch ist, dennoch bestimmt, erfolgreich, zielorientiert, menschlich – glücklich und erfüllt.

So gründete ich mein Business und war FREI. Ich entschied mich, diesen tollen Frauen zu dienen und sie zu ihrem persönlichen und beruflichen Glück, zu ihrer Erfüllung zu führen.

So kam es, dass mich meine Erfahrungen zu dem gemacht haben, was ich seit zwei Jahren bin: Eine Coach für Frauen in Führungspositionen, die vor den gleichen oder ähnlichen Herausforderungen stehen, wie ich sie selbst erlebt habe.

Ich kann also aus tiefstem Herzen, aus harter Lernkurve und einem reichen Erfahrungsschatz heraus das vermitteln, was ich am eigenen Leib erfahren habe. Das ist wichtig für meine Arbeit, denn ich fühle mich rein in die Gedanken- und Gefühlswelt der Führungsfrauen. Als Psychologin bin ich in der Lage, schnelle mentale Veränderungen bei den Frauen herbeizuführen und mit ihnen zusammen ihre ganz individuelle Führungspersönlichkeit strahlen zu lassen.

Denn es ist schon in Dir, dieses ganz Besondere, Deine individuelle Art zu führen. Du musst Dich nicht in diese Box quetschen lassen, denn dann gehst Du unter.

Arbeite an Deiner Einzigartigkeit, an Deiner Individualität, an DEINEM ureigensten Führungsstil. Wenn Du Dich auf diese Reise begibst, Dich darauf einlässt und Veränderung zulässt, kann es sein, dass Dir das Ergebnis nicht gefällt.

Vielleicht stellst Du fest, dass die Firma doch nicht die richtige für Dich ist? Vielleicht stellst Du aber auch fest, dass Du gar keine Führungsfrau sein möchtest?

Dann ist es eben so. Lass diese Gedanken zu und Du wirst spüren, dass Du erfüllter, glücklicher, freier wirst. Und wenn der Firma Deine Entwicklung nicht passt, dann gehört ihr nicht zusammen und Du solltest darüber nachdenken, weiter zu ziehen und die Organisation finden, die ZU DIR PASST – nicht umgekehrt.

Männer sind besonders, Frauen auch

Es ist wirklich interessant zu beobachten, wie manche Menschen über das Coaching, im Speziellen über meine Arbeit denken. Klar, auf den ersten Blick ignoriere ich vielleicht die Männerwelt. Aber wenn Du genau hinschaust, ist das Gegenteil der Fall.

Meine Vision ist es, die Diversität in den Führungsetagen herzustellen.

Es gibt nun mal leider immer noch viel viel weniger Frauen in den Führungsetagen. Woran mag das wohl liegen?

Meine Vision ist es außerdem, dieses Ungleichgewicht aufzulösen und jeder einzelnen Führungsfrau zu zeigen, dass sie es drauf hat, dass sie keine Zweifel haben muss, dass sie sich selbst besser kennenlernen sollte, um ihre Einzigartigkeit zu entdecken und ihre Führungspersönlichkeit auszuleben.

Dafür bin ich da. Und deswegen coache ich nur Frauen. Je mehr wir darüber reden, je mehr wir Frauen uns gegenseitig unterstützen (lassen), uns öffnen – desto stärker können wir diese Vision in die Realität verwandeln.

Zweisamkeit-e1507019690905 Mein Leben als Coach # 4 - Warum coache ich nur Frauen?

Frauen und Männer tanzen gemeinsam Tango da oben; Foto: Janine Tychsen

Ich kenne im Übrigen sehr viele Männer und Unternehmen, die auf „unserer“ Seite stehen. Das ist großartig zu sehen! Denn es ist nicht so, wie viele behaupten:

Die meisten Männer sind auf unserer Seite! Und wir müssen aufpassen, dass wir den Spieß nicht irgendwann umdrehen. Auch Männer möchten gefördert werden. Auch sie brauchen Menschen, die sich neutral mit der Karriere von Männern auseinandersetzen, ihnen unter die Arme greifen. Auch sie brauchen Unterstützung.

Manche Menschen tun so, als wäre diese tolle männliche Hälfte der Menschheit die Pest, wenn es um Führung und Business geht. Das Gegenteil ist der Fall:

Wir brauchen einander - mehr denn je!!!!

 

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