Kein Erwartungsdruck

Ein Leben ohne Frauenquote ist möglich, aber nicht sinnvoll

Lesezeit: 4 Minuten

Die Frauenquote – ein gefühlt nicht enden wollendes Thema. Ich bin eigentlich überhaupt kein Fan von der Quote und dem „künstlichen Herstellen“ eines Zustands, der eigentlich auf natürliche Art und Weise hergestellt werden könnte. Eigentlich. Vielleicht ist die Quote lebensnotwendig, vor allem für Unternehmen, wenn sie sie doch endlich verstehen und voll ausschöpfen würden…

Immer mehr bin ich davon überzeugt, dass wir sie doch brauchen, die Frauenquote. Nicht, um eine Frauenkarawane Richtung Vorstandsetagen zu schicken und so alle „Männer platt zu machen“. Im Gegenteil: Wir brauchen sie als Vehikel für Unternehmen, um uns immer mehr und endlich einem notwendigen Gleichgewicht zu nähern. Wir brauchen sie, um Diversität in den Führungsetagen zu schaffen. Wir kommen nicht umhin. Schade eigentlich. Ich dachte tatsächlich, dass wir – das sind die Unternehmen und Arbeitgeber, das sind Frauen wie Männer, Junge wie Alte – es auch so schaffen können, wenn das Bewusstsein und der Willen da sind. Weit gefehlt. Wie naiv ich doch war. Je mehr ich mich damit befasse und je mehr Bewegungen ich dazu beobachte, desto stärker ist mein Wunsch, mich selbst stärker für die Frauenquote zu engagieren.

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Diversität und Parität in den Führungsetagen sind das Ziel; Foto: Janine Tychsen

Keine Vorgaben, keine Bewegung

Vergangene Woche war ich bei einem Business Breakfast der berliner wirtschaftsgespräche. Sie haben eingeladen, um über den Fortschritt der Frauenquote in Unternehmen zu diskutieren. Monika Schulz-Strelow, die Präsidentin des 2006 gegründeten Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte e.V. – FidAR“ hat referiert und sagt absolut zu recht: „Wir Frauen können gemeinsam noch sehr viel mehr erreichen – doch nicht allein. Es braucht uns alle, Frauen wie Männer, um in den Führungsetagen wirklich etwas zu verändern.“

Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant zur erhöhen, trat am 1. Mai 2015 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) in Kraft. So gilt seit dem 1. Januar 2016 für börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen die feste Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten. Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmungspflichtig sind, mussten außerdem bis zum 30. September 2015 erstmals Zielgrößen für Aufsichtsrat, Vorstand sowie erste und zweite Managementebene festlegen. In den Aufsichtsräten der rund hundert Unternehmen, die somit seit 2016 an die Frauenquote gebunden sind, ist der Frauenanteil auf durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. Zu diesem Schluss kommt das sogenannte Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es zeige sich, dass viele Firmen über das geforderte Minimum hinausgingen.

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Die Frauenquote in Aufsichtsräten greift; Quelle: DIW Berlin 2018

Seit 2016 gilt die 30 Prozent-Quote für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in etwa 100 großen Unternehmen. Vor diesem Gesetz war der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Unternehmen trotz vieler Apelle und freiwilliger Selbstverpflichtungen jahrelang stagniert. Auch nach dem Inkrafttreten des Gesetzes haben Unternehmen lange so getan, als hätten sie den Knall und somit das Gesetz überhaupt nicht erhört. Nur sehr langsam stiegen sie im Laufe der vergangenen Jahre auf den Zug auf. Denn sie haben keine andere Wahl.

Gestern erschien der AllBright Bericht Mai 2018 „Schlusslicht Deutschland“. Hier wird deutlich, dass sich sehr wohl etwas bewegt, aber es noch lange nicht reicht. Die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache und sind teilweise trotz des Fortschritts erschreckend. Die Unternehmen und wir alle, die zu mehr Diversität und Parität beitragen könnten, dürfen sich jetzt nicht zurücklehnen. Wir alle müssen am Ball bleiben!

Der AllBright-Bericht zeigt Folgendes:

Im Vergleich mit den 30 führenden Börsenunternehmen in Frankreich, Großbritannien, Polen, den USA und Schweden, stellt sich Deutschland ganz hinten an und belegt den letzten Platz. Und das, obwohl Deutschland weltweit als fortschrittliches Industrieland mit einer starken Wirtschaft wahrgenommen wird. Das heißt im Klartext: Der Anteil von weiblichen Führungskräften in Vorständen der großen Börsen-Unternehmen in den USA ist doppelt so hoch, wie hierzulande.

 

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Frauen in Führung im Vergleich

Und so sieht die Verteilung des Frauenanteils in den Vorständen
der jeweils 30 größten Börsenunternehmen im Vergleich zu den o.g. fünf Ländern aus:

USA: 24,8 %

Schweden: 24,1 %

Großbritannien: 20,1 %

Polen: 15,5 %

Frankreich: 14,5 %

Deutschland: 12,1 %

Deutschland – die starke Industrienation?

Woran also mag es liegen, dass wir das Schlusslicht sind?

Ich glaube, dass es auf diese Frage keine konkrete Antwort gibt. Viel mehr kommen mehrere Faktoren zusammen. Schauen wir uns beispielsweise in Skandinavien um, in Schweden, fällt auf, dass dort auch eine ganz andere Unternehmenskultur gelebt wird. Das fängt an bei den Work-Life-Modellen, der Kinderbetreuung, der Gehaltsstruktur, der sozialen Zusammenhänge in Firmen etc… Schon darüber könnte ich stundenlang referieren. Das kennen wir alles von Skandinavien und ´gen Norden schielen wir immer mal wieder neidvoll, wenn es um all diese Themen geht. Auch in den USA leben die Unternehmen eine andere Firmenkultur. Wir alle kennen die Modelle Google, Facebook und Co, in denen ganz anders gearbeitet wird, als bei uns. Ob das nun gut oder schlecht ist, mag jeder für sich selbst bewerten.

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Mit einem Schubs; Foto: Gesine Born Photographie

Doch woran liegt es, dass beispielsweise Polen vor uns liegt? Dort kenn ich mich leider gar nicht aus und kann es nicht beurteilen. Oder woran liegt es, dass Frankreich auch so weit unten liegt, auf dem vorletzten Platz? Ich hätte immer gedacht, dass auch Frankreich in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt ist?

Fragen über Fragen, die für mich noch offen und nicht beantwortet sind.

Mir jedoch zeigt der AllBright-Bericht, dass auch ich noch viel mehr tun kann – genau wie Du! Ich werde mich noch stärker engagieren und Menschen für diese ultra wichtigen Themen sensibilisieren.

Und noch etwas zeigen mir derartige Berichte:

Ich liege mit meiner Arbeit als Führungspersönlichkeits-Entwicklerin für Managerinnen genau richtig.

Meine Unterstützung und Begleitung von Führungsfrauen, so wie ich es tue, trifft den Schmerz der Zeit.

Die intensive und sehr enge Zusammenarbeit mit Frauen verschiedenster Managementebenen bewirkt etwas und setzt das Rad in Bewegung.

Es kann gar nicht genug Coaches und Unterstützer geben, die sich für Parität und Diversität engagieren und Männern wie Frauen ein Stück auf ihrem Weg begleiten.

Ihr lieben Führungsfrauen: Bleibt am Ball und zeigt euch! Ihr könnt so viel bewirken, indem ihr voranschreitet, eure individuelle Führungspersönlichkeit entwickelt und Vorbilder seid!

 

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