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Kommunikation unter Frauen – Meine learnings aus einer Woche „Frauencamp“ (Teil 1)

Lesezeit: 6 Minuten

Ich komme gerade zurück aus einem einwöchigen Yoga- and Mind-Retreat mit Basenfasten – ich war eine von 18 Frauen. Was ich dort, in den Bergen Österreichs über das Leben und die Kommunikation unter Frauen gelernt habe, hat Gänsehaut-Qualität. Diese intensiven Erfahrungen haben sich tief in mein Herz eingebrannt und werden definitiv einiges in meinem Leben verändern. An meinen learnings dieser einen Woche und den noch sehr frischen Emotionen möchte ich Dich unbedingt teilhaben lassen – denn auch Du kannst daraus lernen.

Kommunikation unter Frauen – Ob das gut geht?

18 Frauen auf einem Haufen! Oben auf einer Bergspitze im wundervollen Vorarlberg, mitten in den österreichischen Alpen. Das hieß: Ohne aufregende äußere Einflüsse, ohne Großstadtlärm und ohne Arbeitsstress. Nur wir und eine gemütliche Berghütte.

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18 Weibsen allein zu Haus; Bild: Janine Tychsen

Boah – dachte ich, als ich dem Facebook-Aufruf der wundervollen Solveig von Viamie vor einigen Monaten nachkam. Sie fragte in die virtuelle Runde, wer am Retreat „Breathe. Release. Achieve.“ teilnehmen möchte. Ich wollte und war zugegebenermaßen etwas skeptisch. Doch ich ließ mich ein, denn ich bin für neue Erfahrungen, die für mich die Lehrer des Lebens sind, immer zu haben. Gleichzeitig fragte ich mich: Kann das gut gehen mit 18 Weibsen?

Als Coach für Führungspersönlichkeits-Entwicklung arbeite ich in erster Linie mit Frauen zusammen. Es sind im Leben stehende Frauen mit Verantwortung. Mit einem Job, der nicht selten 60 bis 80 Stunden die Woche abverlangt, der an ihren Nerven zehrt und der sie sehr sehr oft unmerklich in eine Box aus Zwängen und Vorschriften quetscht, wo sie manchmal über ihr eigenes Ziel hinausschießen. Das wollen sie eigentlich nicht, denn das sind sie nicht.

Frauen in Führungspositionen sind besondere Menschen, die sich (meist) dafür entschieden haben, den unbequemen Weg zu gehen: Richtung Karriere, Richtung Chefin sein, Richtung Abgrenzung, Richtung Aushalten, Richtung Verzichten. All das macht etwas mit vielen dieser tollen Führungsfrauen. Es zermürbt sie innerlich – langsam, aber stetig.

Ich bin überzeugt davon, dass Frauen biologisch (das ja sowieso) und evolutionsbedingt anders sind als Männer – im absolut neutralen Sinne. Das ist nun mal ein Fakt. Wir sind von Natur aus feinfühlige Wesen, die gemocht werden wollen. Wir wollen auch „dicke Eier“ haben, Verantwortung übernehmen und Ansagen machen, aber lieber nicht zu harte. Da passiert es leicht, dass sich die eine oder andere in genau diese Rolle reinzwängt, obwohl es nicht ihrer natürlichen Art entspricht.

Meine Erfahrungen mit solch wundervollen, verletzlichen, aber sehr toughen Frauen, zeigten mir bisher, dass wir meist gar nicht umhin kommen, alles zu tun, um unseren „eigenen Arsch“ zu retten. Es kommt also nicht von ungefähr, dass Frauen oft als stutenbissig und im Job als wenig unterstützend bezeichnet werden. Sie kämpfen ums nackte Überleben – um ihr Standing, ihre Zukunft, um Respekt. Ihre Individualität, ihr einzigartiger Führungsstil, ihre Authentizität kommen immer zu kurz.

Umso skeptischer war ich vor dem Retreat, ob das wohl gut geht mit 18 Frauenzimmern in der Einsamkeit. Ich hatte voll Bock auf dieses Experiment und stürzte mich hinein.

Was das Leben lehrt… Sei offen für den anderen Blick 

Von den 18 Frauen kannte jede nur etwa eine Person. Alle anderen waren sich fremd. Doch schon beim Ankommen auf der Hütte hatte ich das Gefühl, dazuzugehören. Kein Fremdeln, keine Berührungsängste. Stattdessen: Fette Umarmungen, warme Worte und Aufbruchstimmung. Aufbruch in eine komplett andere Sichtweise des Lebens. Ich fühlte schnell: Hier war ich richtig.

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Reise durchs Leben, Bild: Janine Tychsen

Von Anfang an führten wir tiefsinnige Gespräche – kein Larifari. Es ging gleich zur Sache. Wir redeten über Spiritualität, Männer und Frauen, über unsere Jobs und Leben, über Gesundheit, Yoga, Genuss und natürlich auch über Sex. Wir alberten herum, kochten zusammen und begaben uns auf eine sehr außergewöhnliche Wanderung, die – in Shorts und T-Shirt – überraschenderweise durch tiefen Schnee führte. Diese Wanderung war exemplarisch für unsere „gemeinsame Reise“.

Wir waren mehreren Herausforderungen ausgesetzt: Das fing schon morgens nach dem Aufstehen an.  Schweigend nahmen wir unsere täglichen Basenpulver-Getränke ein und gingen direkt ohne Frühstück und ohne zu sprechen (das ist schwer!) auf unsere Yogamatte. Denn um 7 Uhr stand Meditation auf dem Plan – freiwillig natürlich. Doch jeden Tag nahmen fast alle daran teil. Direkt danach von 7:30 bis 9 Uhr gingen wir über in die Yogapraxis mit outstanding Yoga-Teachern. Während wir biegend, stretchend und schwitzend in den Asanas verharrten, bereitete unsere herzensgute Tina das basische Frühstück vor, auf das wir uns völlig ausgehungert nach dem Yoga stürzten. Bei herrlichstem Sonnenschein und blauem Himmel (und das fast täglich) aßen wir gemütlich draußen auf der urigen Terrasse.

Danach wurde abgeräumt und gespült. Jeden Tag halfen zwei Mädels in der Küche, das wurde vorher so geplant und da gab es auch keine Diskussion – die war auch nicht nötig. Tina brauchte Unterstützung, obwohl ich noch nie einen Menschen getroffen habe, der sooo schnell und effizient in der Küche ist, wie Tina. Chapeau! Doch auch hier fügte es sich ganz wunderbar: Meistens halfen nicht nur zwei Mädels, sondern drei oder vier. Ohne darüber zu reden oder zu planen, ohne Schnick-Schnack-Schnuck wer jetzt wohl was zu erledigen hatte. Diese Dynamik war echt krass!

Und so ging es den ganzen Tag: Gespräche hier und dort, Spaziergänge allein oder mit mehreren, Abhängen. Jeder hat sein Ding gemacht und doch waren wir alle Eins.

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Unser tägliches Yoga; Bild: Anna Wasilewski

Meine learnings

Du merkst schon, wie angetan ich bin von dieser einen Woche. Nun aber endlich möchte ich mit Dir meine learnings teilen. Aber Vorsicht – ich mach mich ziemlich nackig, bin offen und ehrlich zu Dir 😉

Der Augenöffner

Frauen sind nicht stutenbissig.

Das ist wohl das Beeindruckendste, was ich mitnehme. Es habe nicht ein einziges Mal negative Stimmung wahrgenommen. Keine Lästereien, kein Beäugen, wer denn wohl besser aussieht, kein Rumgezicke. Obwohl es tausende Situationen gab, in denen es völlig legitim gewesen wäre, bockig oder missmutig zu sein. Wir waren alle so empathisch und wohlwollend – ganz natürlich, ohne Masken.

Dieser Augenöffner zeigt mir, dass Frauen ganz wunderbar miteinander können, wenn sie ihr Ego vor der Tür lassen. Dort oben habe ich begriffen, dass es ganz und gar an mir liegt, ob mich Frauen als Zicke oder als eine zu ihnen gehörige sehen. Verhalten sich alle Frauen um Dich herum so, haben negative Schwingungen überhaupt keine Bühne.

Du musst nicht immer dazugehören

Es gibt kein Verpassen - no missing out.

Als extrem neugieriger und wissbegieriger Mensch neige ich leider dazu, immer dazugehören und alles mitmachen zu wollen. Bloß nichts verpassen!

Versetz Dich mal kurz in diese Situation: 18 Frauen und Du willst immer dabei sein? Bei allem was alle tun? Das geht natürlich nicht und wäre sau-anstrengend. Somit habe ich losgelassen und gänzlich in mich hineingespürt, was ich gerade in dem Moment brauche und möchte. Das war eine so befreiende Erfahrung!!! Du gehörst sowieso dazu. Egal, ob Du mitmachst oder nicht. Egal, ob Du Dich auf Dein Zimmer zurückziehst oder an den Gesprächen und Spaziergängen teilnimmst. Zudem bist Du in dem Moment immer am richtigen Ort – denn Du hast ihn selbst gewählt.

Durch das erste learning „Der Augenöffner“ ist es unmöglich etwas zu verpassen. Denn die Themen oder Aktivitäten, die die einen oder anderen in kleineren oder größeren Gruppen hatten, kamen früher oder später eh auf den Tisch. Das Wertvollste daran war jedoch, dass ich mich ganz bewusst für meine eigenen Bedürfnisse entschieden habe – egal ob allein oder mit welcher Lady auch immer. Großartiges learning, das ich ab sofort in meinen sozialen Alltag integriere. Could be sooo easy 😉

Lerne von anderen

Öffne die Augen für Vorbilder und schau hinter die Kulissen.

Das learning „Du musst nicht immer dazugehören“ konnte ich total schnell in meinem Kopf verankern. Denn alle anderen Frauen hörten auch auf ihre Bedürfnisse. Niemand ging dem Zwang nach, immer dabei sein zu wollen, was es mir quirliges und neugieriges Ding extrem leicht gemacht hat, mich selbst in meinen Fokus zu nehmen. Somit lernte ich von diesen wundervollen Frauen, die mir – jede einzelne – ein Vorbild war und ist.

Be yourself und das Leben ist leichter

Lass los und steh zu Dir.

Gleich am ersten Tag stellte ich eine bemerkenswerte Beobachtung an mir fest: Ich sprang aus dem Bett, ging ins Bad, machte Katzenwäsche und ging in Yoga-Klamotten runter zum Yoga. Erst auf der Matte fiel mir ein: Ups, hab gar keine Mascara aufgelegt. Und wie sehen eigentlich meine Haare aus? Du musst wissen, dass ich fast täglich meine Haare wasche, weil sie dann besser liegen und ich mich wohler fühle.

Als ich das dachte, musste ich lächeln. Denn es spielte keine Rolle, wie ich aussah. Viel wichtiger war, dass ich mich wohlfühlte. Und das tat ich! Ab diesem erkenntnisreichen Moment genoss ich mein pures Sein. Manchmal habe ich auch erst nach drei Tagen Haare gewaschen, weil sie noch total ok waren oder ich habe den ganzen Tag die Yoga-Klamotten angelassen. Das war ziemlich cool von mir!

Im Alltag bin ich schon sehr ich selbst. Ich mag es auch, mich zu schminken und schnieke anzuziehen. Das heißt, dass ich in meinem Alltag – ob geschäftlich oder privat – weiterhin Mascara auflegen werde. Denn auch das bin ja ich. Aber diese Erfahrung hat mir im übertragenen Sinne gezeigt, dass Du keine Maske brauchst, um akzeptiert zu werden. Denn es geht um Dich, Dein Wesen, und nicht um Dein Aussehen. Also: Go for it!

Die Magie des Lebens

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Kommunikation unter Frauen – magisch! Bild: Anna Wasilewski

Wenn Frauen aufeinander treffen, wird es magisch. Ich spürte eine intensive Energie, die uns alle miteinander verband. Dies war die wahre Essenz von Kommunikation, die mir eine ganz andere Dimension von der Art zu kommunizieren aufzeigt. Auf einer sehr viel subtileren, feinstofflichen Art und Weise. Ich muss noch etwas länger darüber nachdenken, aber ich denke es ist so etwas wie eine ganz und gar nicht offenbare Kommunikation.

Was ich noch gelernt habe über mich und das Leben, erfährst Du ganz bald in Teil 2.

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