Mutig führen - mit Persönlichkeit, Herz und Verstand

Mutig führen mit Persönlichkeit

Mutig führen –

mit Persönlichkeit, Herz und Verstand

Vorangestellt:

Bist auch DU eine Frau in Führung, lies bitte bis zum Ende und reflektiere die gestellten Fragen.

So kannst Du Deine Kompassnadel überprüfen und Dich ggf. neu ausrichten

Führungskarrieren sind unberechenbar, selten planbar

Energisch klopfte es an der Bürotür. “Ja, bitte” sagte Merle. Ihre drei Jahre jüngere Kollegin trat ein. Mit eisernem Gesicht schloss sie hinter sich die Tür und setzte sich Merle gegenüber an den kleinen Besprechungstisch.

“Es tut mir leid, Merle.” sagte die Kollegin mit fester, aber empathischer Stimme. “Ich habe die Leitungsposition bekommen.” Sie beendete den Satz pointiert, ohne Drumherum, und ließ Merle Zeit, sich zu sammeln. In diesen Sekunden dachte Merle nur eins: Wow, was für ein perfekter, kaltherziger und sympathischer Auftritt! Paradox, aber sie mochte schon immer die Art der Kollegin und schaute mit Neid auf diese Leichtigkeit. Sollte sie sie nun für diesen Auftritt hassen? Sie war verwirrt.

Merle behielt ihre Fassung, doch innerlich brach alles zusammen, was sie sich in der Firma aufgebaut hat. Nach all den erfolgreichen Karriereschritten stand sie kurz vor ihrem Ziel. Nun brannte ihre Karriereleiter lichterloh und zerfiel zu Asche. Ihr Herz pochte wild. Doch wie immer, bewahrte sie höchste Professionalität und ließ sich nichts anmerken.

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Karriereleiter

“Ich wusste gar nicht, dass Du Dich auf den Posten beworben hattest”, sagte Merle mit klarer Stimme. “Hab ich auch nicht. Ich wurde gefragt und habe nach einigem Überlegen und Abwägen ja gesagt. Weißt Du, eigentlich bist Du die beste Kandidatin für diese hohe Führungsposition, Merle – das wissen wir beide. Du bist länger hier als ich, hast wesentlich mehr Erfahrung im Bereich Personal-Management und es gibt nur noch dieses next level: Personal-Vorständin – höher geht es ja gar nicht hier im Unternehmen.” Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: “Doch das ist meine Chance! Verstehst Du das?” 

Seit Anbeginn ihrer Karriere vor über zehn Jahren in dem renommierten und international ausgerichteten Unternehmen, hat sich Merle perfekt positioniert mit dem Ziel, Personal-Vorständin für den technischen Bereich zu werden. Sie ist angetreten, um die verkrusteten Strukturen des TECH-Unternehmens aufzubrechen und mehr Raum für Diversität zu schaffen – so dass die Firma endlich auch handelt und nicht nur redet. Sie trat mit großer Vision an, die sie strikt verfolgte – sehr erfolgreich.

Somit lief alles nach Plan. Bis heute.

Merle bestand in den vergangenen Monaten mehrere Bewerbungsrunden mit der CEO und den anderen Vorstandsmitgliedern, durchlief erfolgreich ein Assessment und immer wurde ihr suggeriert, dass genau sie die Expertin für diese Stelle und mehr als geeignet ist. 

Und nun das. Merle verstand die Welt nicht mehr. Doch was war passiert?

Der Karriere Laserfokus

So eroberten wir ihren Selbstwert zurück

Merle heißt im echten Leben anders. Ich möchte ihren Namen nicht erwähnen und sie schützen.

Vor etwa zwei Jahren kam Merle zu mir ins Coaching, weil genau DAS passiert war:

Sie wurde abgesägt, hintergangen, unehrlich und unfair behandelt, in ihrem Selbstwert gekränkt und emotional in die Hölle geschleudert. Die oberste Führung hat komplett versagt: Keine transparente Kommunikation, Feigheit, Angst.

Zum damaligen Zeitpunkt fühlte sich Merle mit 42 Jahren am Ende ihrer Karriere als Führungsfrau. Und das, obwohl sie aus ihrer Sicht alles richtig gemacht hatte. Sie stand kurz vor der Übernahme des Vorstandspostens, hat sich im TECH-Unternehmen, das zu 90 Prozent aus männlichen Kollegen besteht, durchgesetzt, ist anerkannt, respektiert und geschätzt. Dachte sie zumindest. So kann man sich täuschen.

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Den Chefsessel räumen

Über ein Jahr lang haben wir intensiv miteinander gearbeitet, um ihren Tiefschlag zu verarbeiten und in eine andere Energie umzulenken. Noch heute sind wir eng in Kontakt. Mir ist es wichtig, sie nachhaltig zu begleiten und ihr sicheres Netz zu sein – denn ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, kenne den Führungsschmerz und die Ohnmacht. Diese Erfahrung werden wir beide wohl nie vergessen.

Zuerst haben wir analysiert:

  • Wie war Merles Führungsstil?
  • Welche Werte hat sie persönlich und deckten sie sich in ihrer Führungsposition?
  • Mit welchen Emotionen hat sie ihre Führungsrolle ausgeführt: 
    • leicht
    • ängstlich
    • angespannt
    • perfekt
    • klar
    • transparent
  • Wie haben Merles Mitarbeitende sie als Chefin wahrgenommen? Was erzählen sie über Merle?
  • War sie offen für die Anliegen des Teams?
  • Wie war ihr Verhalten gegenüber der obersten Führungsriege?
  • Wie sah ein typischer Arbeitstag, eine typische Führungsaufgabe aus?
  • Wie fühlte sie sich generell nach einem Arbeitstag?
    • energetisch
    • optimistisch
    • positiv
    • ausgelaugt
    • ausgeliefert
    • ausgebrannt
    • genervt
    • ängstlich

Schlussfolgerungen

Aus diesen Erkenntnissen haben wir unsere Schlüsse gezogen und sind dort tiefer eingestiegen, wo es nötig war:

  • Welche Glaubenssätze trägt Merle in sich?
  • Fördern sie Merles Führungsverhalten oder wirken sie blockierend?
  • Sind sie eher positiv und inspirierend oder eher negativ und zerstörerisch?

Glaubenssätze prägen unser Leben von klein auf. Meist sind uns nur die negativen bewusst – die können uns ziemlich Probleme bereiten. Denn sie sind der Filter für unsere Wahrnehmung, die wiederum unsere Gefühle beeinflusst.

Solange wir uns mit unseren negativen Gedanken, Gefühlen und Glaubenssätzen identifizieren, so lange bleiben eben diese Gedanken, Gefühle und Glaubenssätze unsere tief empfundene Realität.

Innere Anteile – Engelchen und Teufelchen

Im nächsten Schritt beschäftigten wir uns mit ihren inneren Anteilen – Du weißt, Engelchen und Teufelchen:

  • Welches “Inner Game” tobt in ihr?
  • Wer oder was ist am lautesten?
  • Ist es möglich, den Stimmen, Anteilen oder was auch immer in Merle tobt, ein Gesicht, einen Namen, ein Aussehen zu geben?

All das haben wir in Merles Erkenntnis-Rucksack gepackt und sind damit rausgegangen. Aus unserer langen Zusammenarbeit wusste ich, dass sie in Bewegung am Besten abschalten und klarer sehen kann. Dies konnten wir als wichtiges Werkzeug nutzen. Als ausgebildete Personal Trainerin und Psychologin konnte ich mit Merle ganzheitlich arbeiten: BODY, MIND, SOUL.

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Erkenntnisse mutiger Führung

Das ist wichtig: alles miteinander verbinden, um frei zu sein.

Wir sind also nach jeder zweiten Session in den Wald gegangen, haben Emotionen mit Bewegung verbunden und jedes Mal eine Last aus dem Erkenntnis-Rucksack dort gelassen – manchmal vergraben, manchmal verbrannt. Singend, tanzend und etwas leichter konnten wir jede einzelne Coaching-Sitzung mit einem tief erfüllten Gefühl verlassen.

Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit

Am Ende hatten wir solide Erkenntnisse, mit denen Merle ihre Vergangenheit abschließen und ihre neue Zukunft gestalten und antreten konnte.

Was waren diese Erkenntnisse?

Merle ist eine mega tolle Frau! Sehr empathisch, lustig, reflektiert, inspirierend, motivierend, optimistisch, voller Tatendrang. Eigentlich….

Schauen wir jedoch genauer hin – was wir innerhalb dieses Jahres getan haben – fällt uns auf, dass diese oben beschriebene Merle in ihrem Berufsleben kaum zu finden ist.

Es stellte sich heraus, dass Merle sich auf ihrem Karriereweg eine “virtuelle Ritterrüstung” zugelegt hat, die sie jeden Morgen vor den Toren des Unternehmens anlegte. Die echte Merle verschwand darunter. Sie hatte sich eine unechte Persönlichkeit zugelegt, um in einem TECH-Unternehmen wie dieses bestehen zu können. So dachte sie.

Über viele Jahre hat sie ihre Weiblichkeit und ihre Persönlichkeit komplett abgelehnt im Berufsleben.

  • Sie war unnahbar für ihre Mitarbeitenden.
  • Sie hat es vor allem ihren Vorgesetzten immer recht machen wollen.
  • Ihre eigene Meinung hat sie so verpackt, dass sie immer konform mit der Meinung der Chefs war.
  • Ihre Art der Kommunikation gegenüber ihren Teams war kühl, klar und hoch professionell. Sie ließ keinen Raum für private Belange.
  • Persönliches hatte in ihrem Berufsleben keinen Platz. Ihre Mitarbeitenden kannten sie kaum und sie wiederum hatte wenig Interesse an dem Privatleben ihrer Leute. Das erschien ihr unprofessionell, was dazu führte, dass sie vom Team abgeschnitten war.
  • Sie wurde als kühle und strenge Führungskraft wahrgenommen, was sie privat überhaupt nicht ist.

Kurzum:

Merle hat den für sie höchsten Grad an Professionalität entwickelt und etabliert – ganz unabhängig von ihrer wahren Identität. Sie hat sich eine künstliche Rolle erschaffen und war fest davon überzeugt, genau so führen zu müssen, um für ihre Leistung anerkannt zu werden.

Doch das ist ein fataler Trugschluss! Die Zeiten der FührungsKRÄFTE ist vorbei.

Das neue Leadership heißt: FÜHREN MIT PERSÖNLICHKEIT.

Was hat die Kollegin anders gemacht?

Ich möchte ihre Kollegin nicht verurteilen. Sie hat nichts falsch gemacht. 

Das Unternehmen befand sich zum damaligen Zeitpunkt im Umbruch und hat sich neu ausgerichtet. Dann kam sie – die jüngere Kollegin. Eine fröhliche Persönlichkeit, mit sich im Reinen und perfekt unperfekt. Sie trägt offensichtlich keine Rüstung, sondern ihre Persönlichkeit vor sich her. Das kam gut an. Mit ihrer Art gewann sie die Herzen der Mitarbeitenden und hatte eine viel bessere Ausgangsposition, um den Umbruch mitgestalten zu können. Denn dazu braucht es ein Team, das ihrer Chefin hundert Prozent vertraut.

Und ja, davon brauchen wir mehr! Weibliche Führungspersönlichkeiten mit Herz, Verstand, Kompetenz und Offenheit.

Und Merle?

Merle ist heute erfolgreicher denn je. Aus dieser prägenden Lebenserfahrung heraus hat sie sich selbständig gemacht. Heute ermutigt sie Frauen in TECH, Führung zu übernehmen. Für sich selbst und für andere. Ihre Vision von damals ist geblieben. Ihre Persönlichkeit auch – nur dass sie sie nun vollends in all ihren Lebensbereichen offen und ehrlich auslebt. Mutig eben und mit sich selbst verbunden.

Mutig führen als Schlüsselelement

Manchmal braucht es eine krasse Erfahrung, um den wahren Kern zu finden. Dazu gehören MUT, eine enge Verbundenheit zu sich selbst und ein stabiles Beziehungsnetz.

Mit dieser Geschichte möchte ich DICH ermutigen so zu führen, wie es Deiner Persönlichkeit entspricht.

Schreib mir gern Deine Erfahrungen!

 

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