Menschen beim Netzwerken

Du brauchst eine Netzwerkstrategie!

Blinzelnd betrat ich die sonnengeflutete Dachterrasse. Ich liebe diese Abende, an denen ich ganz alleine auf eine Veranstaltung gehe, wo ich kaum jemanden bis niemanden kenne. Diese Abende, die mich mit einem Kribbeln im Bauch empfangen und die meine Neugier auf sehr angenehme Art befeuern. Dies war wieder so ein Abend.

Ich kannte nur die beiden Veranstalter, sonst niemanden. Marina ist mir sofort aufgefallen, als ich die Dachterrasse betrat. Ich kannte sie nicht, es zog mich aber direkt hin zu der fröhlichen Frau. Daneben stand Marinas Freund, dann Julie und Marco. Auch sie kannten sich erst nicht, erfuhr ich wenig später. Sie standen locker im Kreis und unterhielten sich angeregt. „Hin da!“ dachte ich und gesellte mich zu ihnen. Sie spielten ein lustiges Namensspiel und empfingen mich warmherzig. „Hey, wer bist Du? Sag Deinen Namen – wir haben uns eine coole Strategie ausgedacht, uns Namen zu merken.“ Funny, dachte ich, und sagte meinen Namen, sie ihren. Jeder sollte diesen Namen zu einer Person aus dem eigenen Familien- oder Freundeskreis zuordnen. Vielleicht ist mir Marina auch deswegen so im Kopf geblieben – abgesehen von ihrer Fröhlichkeit. Meine Tante heißt nämlich auch Marina.

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Der Türöffner

Dies ist nur eine kleine Anekdote aus meinem Leben als leidenschaftliche Kommunikatorin und Netzwerkerin. Netzwerken gehört zu meinen ganz großen Leidenschaften und Stärken. Ich liebe es, die unterschiedlichsten Menschen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören und gedanklich in ihr Leben einzutauchen. Ein wundervoller Nebeneffekt ist zudem der enorme Wissenszuwachs, die Erweiterung meines eigenen Horizonts. Wenn ich mit Menschen rede – das kennst Du auch – bereichern sie mich mit ihren Vorstellungen von der Welt, ihrem Wissen und vor allem mit ihrer Persönlichkeit. Das ist toll, doch zuallererst braucht es diesen ersten kurzen Moment, der über die Netzwerkatmosphäre mit der jeweiligen Person entscheidet: hopp oder top. Diesen Zustand, diese Welle, auf der man sich gemeinsam durch den Abend bewegt.

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Und das kann manchmal ganz schön mühsam sein. Denn nicht jedes Netzwerken ist so easy, wie die wundervollen Begegnungen auf der Dachterrasse. Immer braucht es einen Türöffner. Hier wurde er mir auf einem goldenen Tablett serviert: Das Namensspiel.

Zusammenfassend gebe ich Dir einen Einblick in meine Netzwerk-Systematik. Vielleicht kannst Du damit etwas anfangen und die eine oder andere Idee mit in Deinen Netzwerk-Alltag nehmen?

Öffne die Tür!

Suche Dir EIN Thema, eine Aktion, eine Methode, womit Du Gespräche anfangen kannst. Du solltest Dich damit wohlfühlen und es sollte zu Dir passen. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Erzähle zum Beispiel eine Anekdote aus Deinem Leben (by the way: Ist Dir aufgefallen, dass ich diesen Beitrag mit einer persönlichen Geschichte angefangen habe?)

Was ist Dir auf dem Weg zur Veranstaltung widerfahren (ein witziges Ereignis, eine skurrile Person unterwegs?)

Stelle eine unerwartete, skurrile Frage:

Je skurriler die Frage, desto besser! Überrasche Deinen Gesprächspartner. Zum Beispiel frage etwas völlig aus dem Zusammenhang gerissenes: Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, ob, warum, wieso, weshalb….?

Werde persönlich!

Mache Komplimente und zeige Interesse! Das ist aus meiner Erfahrung übrigens der best-funktionierende Türöffner!

Zum Beispiel: Darf ich Dich mal fragen, wo Du diese Klamotte herhast? Ich habe gehört, dass Du gerade so wahnsinnig duchstartest! Wie machst Du das?

Bedenke, dass das Interesse echt sein muss. Wenn Du das Gefühl hast, Interesse vorspielen zu müssen, dann ist es nicht der richtige Gesprächspartner – also lass es und zieh weiter.

Höre aufmerksam zu!

Das ist das A und O beim Netzwerken! Wenn Du Interesse an Deinem Gesprächspartner hast – ich rede hier von EHRLICHEM Interesse – dann höre zu! Nachdem Du „die Tür geöffnet“ hast, lass Dein Gegenüber sprechen. Fange nicht an, Monologe über Dich selbst zu halten. Das ist ein absolutes No Go! Leider tun dies viel zu viele Menschen. Entweder Du entschuldigst Dich dann und gehst zum nächsten Gesprächspartner oder Du versuchst zurück zum Thema zu kommen. Ich wende mich von solchen Menschen mittlerweile ab. Denn Netzwerken ist ein Geben und Nehmen. Und wenn diese Balance für mich nicht stimmt, dann sorry!

Erweitere Dein Netzwerk!

Stelle Menschen, die Du magst, mit denen Du gut zusammenarbeitest, anderen Menschen vor. Voraussetzung ist jedoch: Dass Du darin für beide einen echten Mehrwert siehst. Dies hat zwei Effekte:

  1. Du wirst für das Zusammenbringen von Menschen immer gewertschätzt! Denn das ist ein Vertrauensbeweis dafür, dass Du Wissen, Erfahrungen und Kontakte teilen möchtest und nicht in einem closed shop lebst.
  2. Du selbst wirst davon unheimlich profitieren, denn das ist der Kern des Netzwerkens: Du wirst wiederum anderen Menschen vorgestellt. Das erzeugt beim Gegenüber per se schonmal einen gewissen Expertenbonus, weil Du als DIE oder DER XY vorgestellt wirst, der diese und jene Kompetenzen, Themen, Benefits etc hat.
Vereinbare ein nächstes Treffen!

Wenn Du das Gefühl hast, der Kontakt war jetzt richtig gut, es hat Spaß gemacht zu plaudern und Du ziehst im besten Fall sogar noch einen Mehrwert raus – worauf warten? Zückt sofort eure Terminkalender und schaut nach einem Termin, bei dem ihr euch zu zweit trefft. Vielleicht hast Du auch schon ein konkretes Thema für diesen Termin – umso besser!

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Meine Welt, Deine Welt

Auch wenn das Netzwerken an sich schon irre spannend ist, beschäftigt mich noch viel mehr das „Dahinter“ – kein Wunder, denn als Psychologin hatte ich schon immer ein Faible für „das Denken der Anderen“. Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, weshalb ich mich als neuro-systemischer Coach spezialisiert habe. Seitdem ich mich intensiver mit den Mechanismen unseres Denkens und Handelns befasse, lerne ich immer mehr über das Netzwerken. Für mich wird immer klarer, dass es für die eine oder andere Kommunikationswelt eine eigene Netzwerkstrategie braucht.

Warum? Weil jeder Mensch seine eigene Realität hat. Das ist nicht esoterisch (auch wenn es sich so anhört). Es hat viel mehr mit Konstruktivismus zu tun. Mit der Welt, die wir uns aufgrund unserer im Leben gemachten Erfahrungen aufbauen, kreieren. Unser Gehirn gleicht aktuelle Situationen mit unseren Erfahrungen ab. Es schafft quasi gar nichts Neues (was ein Schlingel), sondern konstruiert eine Wirklichkeit. Es scannt und scannt und scannt und bäämm – schon haben wir eine vermeintlich „neue“ Welt, die wir nicht zu kennen glauben. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun wünsche ich Dir erst einmal viel Erfolg und vor allem ganz viel Spaß beim Netzwerken! Du wirst sehen, es ist schön und bereichernd.

Wie sind Deine eigenen Erfahrungen? Hast Du selbst auch Strategien, die Du gern teilen würdest? Dann erzähl uns davon!

 

 

 

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Einfach toll geschrieben und da ich Dich kenne, weiß ich das Du es auch genauso meinst. Mir hat es mutgemacht weiter zu Netzwerken auch wenn es wie Du ja auch sagts nicht immer nur nett und schön ist. Aber es kommt eben drauf an was man selbst draus macht – Danke Dir Janine 🙂
Mach`s hübsch
Kerstin
Antworten
    Liebe Kerstin!
    Danke für Deine lieben Worte! Immer weiter Netzwerken ist wichtig, dranbleiben – es lohnt sich wirklich IMMER! Zumal Du dort immer auch Feedback einholen kannst – ob positiv oder negativ. Es ist stets hilfreich und daran wachsen wir.
    Bis ganz bald und schön, Dich an Bord zu haben 😉 Wir haben noch viel vor!
    Antworten

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