Mein Leben als Coach

Mein Leben als Coach # 3 – Supervision und der Coach als Coachee

Lesezeit: 5 Minuten

Mein Leben als Coach ist meine neue Blogserie, mit der ich Dir monatlich die vielen Facetten des Coachings näher bringen möchte. Ich möchte Dich teilhaben lassen an meiner Arbeit als Kommunikationscoach und Dich entführen in eine enorm spannende Welt. In dieser Folge geht es um ein oft unterschätztes Thema: Als Coach bin ich nämlich immer auch Coachee und begebe mich regelmäßig in eine Coaching-SUPERVISION.

Der Beruf des Coaches ist nicht geschützt und bedarf der Erklärung. Das mögen manche Coachingkollegen vielleicht anders sehen – für mich ist es eine Pflicht, den Vorhang zu heben und Dich hinter die Kulissen meiner Arbeit als Coach schauen zu lassen. Schließlich gibt es den Luxus eines Führungskräfte-Coachings nicht umsonst und meine “Führungsfrauen” sollen sich mit ihrer Entscheidung, mich als ihren Dienstleister zu engagieren, rundum wohl und richtig fühlen. Die Katze im Sack kauft niemand gern.

Coaching ist eine Lebenseinstellung

Wer glaubt, mit Abschluss der Coaching-Ausbildung fertiger Coach zu sein, ist auf dem absolut falschen Dampfer und ist aus meiner Sicht noch lange nicht soweit, Menschen als „Lebensbegleiter“ und Unterstützer zu dienen.

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Coach sein ist wie Yoga

Mit dem Coach-Sein ist es wie mit dem Yoga: Nur weil ich regelmäßig zum Yoga gehe, heißt das nicht, dass ich Yoga beherrsche. Yoga übt man sein Leben lang! Ich bin nie nie nie damit fertig, denn es ist keine Choreografie, die ich einstudiere und dann als Workout anwende. Nein – es ist eine Philosophie, eine Lebenseinstellung, der ein gewisses Handwerkszeug zugrunde liegt.

So sehe ich meinen Beruf als Coach. Und so sehen das die meisten Coaches (zumindest die, die ich kenne) auch.

Supervision als Sicherheitscheck

Mit diesem Beitrag kratze ich das große spannende Thema der Supervision nur an. Zudem spreche ich hier über die Art der Supervision, die Coaches für sich nutzen. Hier geht es nicht um den Unterschied zwischen Supervision und Coaching, wie es in der einschlägigen Literatur oft definiert ist.

Der Coaching-Report hat es mal auf den kurzen und knappen Punkt gebracht. Daher übernehme ich diese Definition, denn sie kommt meiner Definition sehr nahe:

Supervision begleitet Einzelne, Teams, Gruppen und Organisationen bei der Reflexion und Verbesserung ihres privaten, beruflichen oder ehrenamtlichen Handelns. Fokus ist je nach Zielvereinbarung die Arbeitspraxis, die Rollen- und Beziehungsdynamik zwischen Supervisand und Klient, die Zusammenarbeit im Team bzw. in der Organisation des Supervisanden usw.

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Supervision schafft Sicherheit – Wie beim Tangotanzen

Eine Supervision schafft u.a. Mehrwert für den Coach als

  • eine sehr notwendige Qualitätskontrolle der eigenen Arbeit
  • Möglichkeit eines Coachings bei eigenen Herausforderungen
Qualitätskontrolle

Als Coach bewege ich mich mit meinen Coachings stets in einem Spannungsfeld zwischen:

  • Neutralität vs. eigener Meinung und Sichtweise
  • Nähe vs. Distanz
  • „belastende“ Lebensereignisse des Coachees vs. psychischen Störungen
  • (eigene) Methodenkompetenz vs. individuell notwendigen Coachingmethoden
  • meine Welt und Realität vs. der Welt und Realität des Coachees
  • meinen eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen vs. den Gefühlen und Wahrnehmungen des Coachees

Du kannst Dir vorstellen, dass dies nicht immer leicht ist. Es sind viele kleine Impulse und Schwingungen, die ich sehr aufmerksam und empathisch bemerken muss. Ich sage bewusst MUSS, denn als Coach ist es meine Pflicht all diese Grenzen wahrzunehmen, wenn nicht sogar zu kennen.

Manchmal geraten wir Coaches dabei selbst in einen Konflikt, den wir allein nicht lösen können. Dafür kann es verschiedene Gründe geben:

  • meine Methoden passten nicht auf den Coachee
  • die Stimmung oder die Chemie war gestört
  • einer von beiden war in Eile und nicht hundertprozentig bei der Sache
  • das Thema war so tiefgreifend, vielleicht auch so nah an der eigenen Realität, dass es mir als Coach zu nahe ging

In all diesen Fällen und in noch vielen weiteren darüber hinaus, kann eine Supervision die helfende Hand sein. Sie kann der neutrale und geschützte Raum für den Coach sein, der sich in diesem Moment vollends dem Supervisor und den anderen Rollen öffnet und seine Methoden, seine Gedanken, seine Art und Weise des Coachings, seine Wahrnehmungen, Befangenheiten etc. genau unter die Lupe nehmen lässt.

Absolut wichtigste Voraussetzung ist, dass der Coach in der Supervision komplett offen ist für die „Beratung“ der anderen Coaches. Gemeinsam werden Lösungen und Strategien erarbeitet, wie der Coach zukünftig oder in genau diesem Fall mit der Situation und den Themen umgehen kann.

Coach wird zum Coachee 

Natürlich haben wir Coaches die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Wir haben vielleicht eine gewisse und sehr empathische Gabe, mit Menschen zu reden und mit deren einschneidenden Lebensereignissen (distanziert) umzugehen. Wir sind jedoch selbst immer auch selbst Menschen, die mit eigenen Problemen und Herausforderungen zu tun haben.

IMAG0076-e1520607241572 Mein Leben als Coach # 3 - Supervision und der Coach als Coachee

Der Coach als Coachee

Ich vergleiche das gern mit einem Fußballtrainer:

Der Trainer hat dafür zu sorgen, dass die Mannschaft so gut vorbereitet und fit ist, um das Spiel zu gewinnen. Niederlagen stehen absolut nicht auf der Agenda. Verliert die Mannschaft (die sicher alles gibt) einige Male hintereinander passiert was? Der Trainer wird gefeuert.

Nun wird der Coach nicht gefeuert, da es kein Spiel zu gewinnen gibt. Was ich jedoch sagen will: Fragt eigentlich jemals ein Mensch, wie es dem Trainer in seiner Rolle als Trainer geht? Nö, alle verlangen von ihm – als sei er eine Maschine – dass der Laden läuft. Dass er sich mit der Position als Trainer einem enormen, für mich einem nicht annähernd begreiflichen Druck, aussetzt, interessiert offensichtlich niemanden. Das finde ich super gefährlich! Denn er hat sicher viele schlaflose Nächte, ist gebeutelt von Angst, bekommt Schweißausbrüche und am Ende wird er krank. Bitte komm mir jetzt nicht mit dem Thema, dass er dafür auch abartig gut bezahlt wird. Was diese Aussage soll, habe ich noch nie verstanden. Sind mit den vielen Euronen auf dem Konto alle Ängste und psychischen Sorgen weg? DAS kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Ich schweife ab…

Also beim Coach ist das ähnlich. Wir tragen unseren Coachees gegenüber eine enorme Verantwortung, die uns manchmal auch schlaflose Nächte beschert. Manchmal sind die Themen so hartnäckig und verzwickt, so grenzwertig zwischen Lebensereignis und starken psychischen Problemen, dass wir selbst sehr behutsam mit uns umgehen müssen.

Zum anderen sind wir auch Menschen mit einer Biografie, mit Hochs und Tiefs, mit kleinen und großen Sorgen – ganz unabhängig davon, wer wir als Coach sind.

In der Supervision haben wir das große Glück, auch über uns selbst zu reden, im geschützten Raum reflektieren zu können. Wir haben das Glück, von erfahrenen Coaching-Kollegen aufgefangen zu werden. Das ist ein unschätzbares Gut, das jeder Coach regelmäßig nutzen sollte. Somit sorgen wir gemeinsam und gegenseitig füreinander. Wir kümmern uns, was ein so schönes Gefühl der Geborgenheit ist!

Lernen, lernen, lernen

Eine dritte Säule, die einen qualifizierten Coach ausmacht, ist das lebenslange Lernen. Wie schon eingangs erwähnt, ist es wie im Yoga: üben, üben, üben.

Das heißt für mich als Coach, dass ich mich ständig fortbilde. Aktuelle Studien lese, mich mit anderen Coaches und auch Beratern austausche, zu Vorträgen und Workshops gehe, selbst publiziere – als Qualitätskontrolle und als Diskussionsgrundlage für Meinungsvielfalt.

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Lebenslanges Lernen und Fortbilden

Da der Beruf des Coaches nicht geschützt ist, muss ich selbst dafür sorgen, dass ich mit meiner Arbeit und meinen Methoden immer aktuell bleibe bzw. immer wachsam bin, niemandem zu schaden.

Die Auseinandersetzung mit der aktuellen Literatur ist für mich ein Lebenselixier, da sie zur Absicherung meiner eigenen Profession beiträgt und ich selbst für einen anderen Blick sorge.

Der Austausch mit anderen Coaches dient der Absicherung meiner gefühlten und selbst einschätzenden Kompetenz.

Das Besuchen von Workshops, Weiterbildungs-Veranstaltungen etc. verhindert einen Tunnelblick.

Außerdem macht es mir so viel Freude, mich mit der Psyche des Menschen auseinanderzusetzen, dass ich gar nicht genug darüber lesen und wissen möchte.

Ich liebe meinen Beruf!

Ich liebe es, zu dienen und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Sie in schwierigen beruflichen und privaten Situationen mit meinem Knowhow beiseite zu stehen!

Folge # 1: DISTANZ

Folge # 2: VERANTWORTUNG

Folge # 3: SUPERVISION

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